Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit ...

 

..da stand am Anfang ein Internet-Tipp-Spiel. Bundesliga-Ergebnisse vorhersagen. Und das konnte Olaf (Künstlername Batistuta) so gut, dass er einen Preis dafür bekam. Welchen dürfte klar sein. Genau: ein Tipp-Kick-Spiel. Zumindest hielten wir Laien es dafür, genauso wie die mitgelieferten roten Männchen mit den Druckknöpfen und den gelb-schwarzen Torhütern, die man per Knopfdruck in die Ecken schnellen (?) lassen kann.

Eines Abends dann die Premiere. Alles was wir wussten: das eckige Spielgerät ist jeweils zur Hälfte weiß und schwarz und die oben liegende Farbe darf schießen. Was wir unter anderem nicht wussten: Tipp-Kick spielen auf einem 30 Zentimeter hohen Couchtisch, dazu noch auf Laminat-Fußboden, ist Gift für jedes  Knie!

Nach und nach hielt die Professionalität Einzug. Schnell wurden Küchentische in Wohnzimmer transportiert, eigene Platten mit Turniermaßen und Baumarkt-Filz gebastelt, Tütenweise Bälle geordert, Seiten lange Regelwerke verteilt, und die Schar der Neugierigen und Mitspieler wurde größer. Schon bald verwandelten sich Wintergärten und Wohnstuben in Barre- und AOL-Arena, selbst die fünfminütige Spielzeit musste nicht mehr Pi mal Daumen vom Videotext genommen werden, sondern wurde nun von eigens aus dem Tchibo-Shop angeschafften Stoppuhren abgelesen.

Jetzt waren wir heiß (hatten allerdings immer noch keinen richtigen Plan) und wollten wissen, wo wir stehen. Jens Tiemann (hatte uns im Internet aufgespürt)  hat uns diese Frage dann ziemlich deutlich beantwortet, brachte Kicker namens Loop, Strike  und Allrounder mit, belächelte unsere altmodischen Knopf-Druck-Keeper und verpasste uns einen Crash-Kurs in Sachen Farbleger. Man fühlte sich ungefähr wie beim Simultan-Schach: Du machst Dir den ganzen Abend Gedanken, wie Du dem großen Meister einen einschenken kannst, und am Ende gibt’s sowieso zweistellig auf den Sack. Geißbock Thessen schaffte mit 2:4 schon fast eine echte Sensation gegen den Profi, was diesen scheinbar so beeindruckt hatte, dass an „Litti“ ein Angebot für die Bünder Mannschaft erging.

Es dauerte nach diesem Abend wiederum nicht lange, bis auch in der Barre- und der AOL-Arena nagelneue Kicker aus der Manufaktur von Bernd Weber aufliefen, Torhüter bis zum Anschlag hin und her gerissen, die ersten Ecken direkt verwandelt wurden und Abstandsmesser neben dem Spielfeld lagen. Erste Erfolge sollten nicht auf sich warten lassen: Robert, unser Ex-Fußball-Nationalspieler und Deutscher Meister (gut, im Beachsoccer, aber immerhin), putzte beim Turnier in Eving sogar einen Zweitliga-Spieler von der Platte. Böse Zungen behaupten sogar, dass einer unserer Mitspieler statt zu frühstücken morgens noch ein paar Bälle auf die Kiste hämmert, weil die Arena ohnehin  auf dem Küchentisch parkt. Obwohl: Training jedenfalls kann uns mit Sicherheit nicht schaden, wollen wir das Abenteuer Verbandsliga einigermaßen überstehen.  

Let’s get ready to rumble!    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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